Verlagerung der Einnahmequellen – Vom Fahrzeugverkauf zum Datenverkauf
Automobilhersteller haben lange Zeit von demselben Geschäftsmodell profitiert, bei dem der Fahrzeugverkauf den Großteil der Einnahmen generierte und der Verkauf von Ersatzteilen die Gesamterlöse ergänzte.
Die bislang größte Veränderung im Geschäftsmodell der Automobilhersteller lässt sich vermutlich auf die Finanzkrise im Jahr 2008 zurückführen. Die Schwierigkeiten, Kunden dazu zu bewegen, ein Fahrzeug vollständig im Voraus zu bezahlen, führten zum heute sehr verbreiteten privaten Leasingmodell. Dieses hat in den letzten zehn Jahren wahrscheinlich erheblich zum Wachstum der Fahrzeugverkäufe beigetragen. Der bevorstehende Wandel des Geschäftsmodells ist jedoch von deutlich disruptiverer Natur.
Vernetzte Fahrzeuge wurden lange Zeit als eine erwartete Fahrzeugeigenschaft betrachtet, da wir uns daran gewöhnt haben, Apps herunterzuladen und über unsere Smartphones mit einer Welt von Services verbunden zu sein. Aus verschiedenen Gründen – unter anderem aufgrund der Schwierigkeiten der Automobilhersteller, ihre Geschäftsmodelle zu verändern – hinken sie bei Konnektivität und fahrzeugexternen Services jedoch hinterher. Dennoch ändert sich dies derzeit rasant, und selbst Fahrzeuge im unteren Preissegment werden zunehmend mit Konnektivitätsfunktionen ausgestattet.

So treiben vernetzte Fahrzeuge einen Wandel der Geschäftsmodelle der Automobilhersteller voran. Eine noch größere Veränderung besteht jedoch darin, dass Drittanbieter Software entwickeln und besitzen, die in die Fahrzeuge integriert wird. Dies stellt einen erheblichen mentalen Wandel für Automobilhersteller dar, da sie zunehmend die Rolle eines Plattformanbieters für andere Serviceanbieter einnehmen. Dieser Wandel hat einer Vielzahl softwareorientierter Unternehmen den Zugang als Partner der Automobilhersteller eröffnet, da die Nachfrage nach vernetzten Services so groß ist, dass sie nur durch die Öffnung der Plattformen bedient werden kann.
NIRA Dynamics hat sich in diesem Bereich als früher Disruptor positioniert und eine Software entwickelt, die inzwischen in Fahrzeugen großer Automobilhersteller installiert wird. Diese Software überwacht während der Fahrt den Straßenzustand, etwa Fahrbahnunebenheiten, Fahrbahnhaftung, Schlaglöcher und Bodenwellen. Zusätzliche Sensoren sind nicht erforderlich – die Software nutzt ausschließlich bereits im Fahrzeug vorhandene Sensoren, und der Automobilhersteller integriert lediglich ein kleines Softwaremodul. Die eigentliche Disruption liegt darin, dass NIRA Eigentümer der im Fahrzeug erzeugten Daten ist. Dieses externe Dateneigentum ist ein zentraler Treiber für neue Einnahmequellen der Automobilhersteller, basierend auf Erlösen, die Drittanbieter aus völlig neuen Kundensegmenten generieren, die teilweise weit außerhalb des klassischen Automobilkontexts liegen.

Ein Beispiel hierfür ist die Straßeninstandhaltung: 60 % der Straßen in Europa und 50 % der Straßen in den USA sind während der Wintersaison von Glätte betroffen. Die aus den Fahrzeugen der Automobilhersteller mithilfe der NIRA-Software gewonnenen Daten können an Straßenbauunternehmen und Behörden verkauft werden, um den Winterdienst deutlich zu verbessern und die Menge des ausgebrachten Streusalzes zu reduzieren.
Ein weiteres Beispiel ist die Logistikbranche, in der große Logistikunternehmen erhebliche Kosten verursachen, wenn Lieferungen später als vereinbart eintreffen. Die Fähigkeit, Verkehr intelligent zu prognostizieren und zu steuern und dabei das Risiko glatter Straßen zu berücksichtigen, kann die Vorhersagbarkeit von geplanten Ankunftszeiten (ETAs) deutlich verbessern. Weitere Beispiele sind Wetterdienste, die Straßenwetterprognosen bereitstellen, um Verkehrsteilnehmer vor Glätte zu warnen, oder Versicherungsunternehmen, die Fahrer anhand ihres Risikoverhaltens bewerten.
All dies sind neue Kundensegmente für Automobilhersteller, die plötzlich zur Gesamterlöse beitragen können, indem Drittanbietern ermöglicht wird, eigene Software in Fahrzeuge zu integrieren. Das von NIRA und den Automobilherstellern entwickelte Geschäftsmodell basiert auf einer Umsatzbeteiligung, bei der die Automobilhersteller Einnahmen erzielen, wenn NIRA zahlende Abonnenten gewinnt.
Viele weitere Kundensegmente wurden bereits identifiziert, und es besteht ein enormes Potenzial darin, gemeinsam mit Automobilherstellern sicherere Straßen zu schaffen und neue Einnahmen aus völlig neuen Kundengruppen zu generieren. Die Zukunft ist vielversprechend. Und sicherer.


